Erlebnisreise Rumänien:
Auf den Spuren von Wolf und Bär


letzte Überarbeitung: 30.10.2004 / 22:35 Uhr

Anfangs Juni 2002 reiste eine Gruppe Schweizer Naturfreunde (20) unter
der Leitung von Fritz Renold nach Rumänien, um Wildtieren nachzuspüren.
Die wildbiologischen und botanischen Wanderungen in den Karpaten
wurden ergänzt durch eine kulturelle Rundreise und durch ein Treffen mit
Rumänischen Naturfreunden in Targu Muresch. Eine Erlebnisreise der
besonderen Art.

Zu den Hauptattraktionen dieser neuntägigen Reise zählten mit Sicherheit
die Tierbeobachtungstouren in der Umgebung von Zernest. In den
rumänischen Karpaten leben ungefähr 3000 Wölfe, 5000 Bären, 1500
Luchse, fünf Millionen Schafe und ebensovielen Menschen. Geführt durch
den Wildbiologen Peter Sürth unternahm die Gruppe einige Tagesausflüge
in die ausgedehnten Wälder am Fusse des Königsteins und des
Butschetsch Gebirges. Peter Sürth ist Mitarbeiter des Carpathian Large
Carnivore Projects
, des grössten Forschungs- und Schutzprogramms für
Grossräuber in Mittel- und Osteuropa. Dieses Projekt erforscht einerseits
die Konflikte und das Zusammenleben zwischen Mensch und Raubtier,
andererseits unterstützt und fördert es einen sanften Tourismus in der
Region. Es ist dabei ausserordentlich wichtig, dass die einheimische
Bevölkerung direkt an diesem Nutzen (Arbeitsplätze, Verdienst) teilhaben
kann. Schliesslich gehört auch ein Informationszentrum dazu, wo in einem
umzäunten Waldgebiet Crai und Poiana, zwei handaufgezogene Wölfe,
leben. Ein Besuch dieses Wildparks stand für die Naturfreunde selbst-
verständlich auf dem Reiseprogramm. Auf das Rufen von Peter Sürth hin
erschienen die beiden halbwilden Wölfe und liessen sich durch das Gitter
hindurch sogar streicheln.

Auf den Wanderungen querwaldein erfuhren die Schweizer Naturfreunde
vieles über die Arbeit der Wildbiologen. Peter Sürth wies sie immer wieder
auf Spuren der Raubtiere hin, seien das Kratzspuren an Bäumen, Fuss-
spuren oder Kothaufen. Mit einem Empfangsgerät versuchten sie, einen mit
einem Sender ausgestatteten Wolf zu orten. Dies gelingt ihnen, jedoch
haben sie nicht das Glück ein solches Tier aus der Nähe zu beobachten. An
zwei Abenden begab sich je die Hälfte der Gruppe zu einem Hochsitz der
Forstverwaltung, in der Hoffnung, Bären, Wildschweine, Füchse oder gar
Wölfe zu sichten, welche mit Futtermais angelockt werden sollten. Leider
wurden sie auch in dieser Hinsicht enttäuscht.

Trotzdem gab es auf den Wanderungen immer wieder Interessantes zu
beobachten, seien dies seltene Blumen oder Vögel oder die herrliche
Landschaft mit den (noch) intakten Wäldern und natürlichen Bächen.

Zu Gast bei Graf Dracula.
Der zweite Teil der Reise führte von Zernest aus weiter zu verschiedenen
rumänischen  Städten und Dörfern sowie kulturellen Sehenswürdigkeiten.
Unter anderem besuchten die Naturfreunde die Schlossburg Bran, wo nach
der Geschichte des Engländers Bram Stocker der blutsaugende Graf
Dracula gehaust haben soll. Der rumänische Reise führer Hermann Kurmes
begleitete und betreute die Schweizer Gruppe während der gesamten Reise,
und er erläuterte mancherorts seine Fach kenntnisse über Geschichte und
Kultur. Ein weiterer kultureller Leckerbissen war der Besuch des Dorfes
Deutsch Weisskirch. Dieser verschlafene Siebenbürger Ort mit einer
eindrucksvollen Kirchenburg wurde von der UNESCO als Weltkulturerbe
bezeichnet. Nach einer mehrtägigen Reise, unter anderem durch die Städte
Sigischoara, Targu Muresch, Medias undSibiu, fand sich die Gruppe am
neunten Tag in Bukarest ein. Während einer Stadtrundfahrt beeindruckte vor
allem das "Haus des Volkes", ein palast ähnlicher Riesenkomplex, der
Caucescu unter Plünderung der Staatskassen errichten liess. Der Besuch der
rumänischen Hauptstadt war der Schluss punkt einer erlebnisreichen Rundreise.

Rumänische Gastfreundschaft An allen Stationen dieser Reise wurden die
Schweizer Naturfreunde herzlich aufgenommen. Sie liessen sich überall die
mit guter und reichhaltiger Verpflegung und bequemer Unterkunft verwöhnen,
aber am meisten genossen sie die Freundschaft und das Vertrauen seitens
der rumänischen Gastgeber.

Vor der Reise knüpfte Fritz Renold Kontakt mit dem Präsidenten der
rumänischen Naturfreunden, Victor Cundiev, in Targu Mures. Sie
vereinbarten ein Treffen, und so wurde die Schweizer Gruppe am Stadtrand
von Targu Mures herzlich in Empfang genommen. Bei einem gemeinsamen
Nachtessen wurde trotz einiger Sprachschwierigkeiten fröhlich geplaudert,
und die Gäste aus der Schweiz erfuhren Interessantes über die Aktivitäten
der rumänischen Sektion. Es sind dies vor allem Exkursionen und Baum-
pflanzaktionen. Als Fernziel wünschen sie sich ein Naturfreundehaus an
einer günstigen Lage, jedoch lassen dies die Finanzen zur Zeit nicht zu. Für
persönliche Kontakte mit den rumänischen Naturfreunden blieb zwar nur ein
einziger Abend, trotzdem kam es zu einem rührenden Abschied. Reiseleiter
Fritz Renold meinte dazu: "ich denke, diese Reise hat uns gezeigt, was
echte Gastfreundschaft bedeutet und wie man diese lebt. Im Werbeprospekt
des rumänischen Tourismusamtes heisst es, «als Tourist kommen und als
Freund gehen». Meiner Meinung nach trifft dies sehr genau unsere
Erlebnisse."

Zusammenfassung aus dem Reisebricht, Mirjam Renold

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