Exkursion "Achtung Klimawandel!"

am 7. Februar 2004


letzte Überarbeitung: 20.10.2004 / 07:55 Uhr

Zwei Männer erklimmen in den Schweizer Alpen einen Berg. Oben angekommen blicken sie um sich
und staunen nicht schlecht, als sie auf der anderen Seite einen Sandstrand erkennen mit Palmen,
die im Wind wehen, und Wellen, die sanft ans Ufer rollen. Sagt der eine zum anderen: "Ich hätte
nicht gedacht, dass es so schnell geht mit dem Klimawandel."

Am 7. Februar 2004 reisten die Naturfreunde der Regionen Winterthur und Glattal unter der Leitung
von Ernst Meier nach Bern, um sich einmal mehr mit unserem Klima und dessen Veränderungen
auseinander zu setzen. Das Schweizerische Alpine Museum zeigt zuweilen auf spielerische Art und
Weise eine publikumsfreundliche, aber trotzdem sachliche und gut dokumentierte, interessante und
vielseitige Ausstellung über die neusten Forschungsergebnisse zum Thema Klimawandel.

Der begleitete Rundgang durch die Ausstellung führt uns auch räumlich zu den unterschiedlichen
Stationen des Klimawandels. Die Erde erwärmt sich, es gibt immer neue Hitzerekorde. Extreme
Wetterverhältnisse, zum Beispiel katastrophale Stürme oder starke Niederschläge, häufen sich.
Es ist damit zu rechnen, dass sogenannte "Jahrhundertereignisse" im 21. Jahrhundert vielleicht
durchschnittlich alle 25 Jahre auftreten werden. Die Gletscher sind vom Abschmelzen bedroht,
und falls diese Entwicklung ungebremst weiter geht, könnten viele der kleineren Gletscher bis Mitte
dieses Jahrhunderts ganz verschwunden sein. Die Schneesicherheit nimmt ab, so dass laut
Modellrechnungen in der Schweiz in 30 Jahren nur noch Skigebiete über 1600 Metern
schneesicher sind - gerade noch halb so viele Stationen wie heute. Im Hochsommer wird das Wasser
rar aufgrund der reduzierten oder fehlenden Gletscherschmelze. Der Permafrost taut auf,
es drohen Bergstürze, welche Siedlungen und Verkehrswege gefährden können. Die Vegetation
und die Tierwelt passen sich den veränderten klimatischen Bedingungen an, das heisst, gewisse
Arten sterben lokal aus, das Landschaftsbild ändert sich.
"Ist die Klimaveränderung natur- oder menschgemacht?" Dies ist eine der zentralen Fragen,
die wir uns immer wieder stellen, und auf die an verschiedenen Schautafeln, Modellen und Bildschirmen
eingegangen wird.

Nach dem Rundgang bleibt mir noch Zeit, die Ausstellung auf eigene Faust zu erkunden.
Ich informiere mich über zahlreiche Touch Screens (Bildschirme zum Berühren) unter anderem über
den Permafrost und den Rückgang der Gletscher, ich schaue mir einen witzigen Kurzfilm über das
zukünftige Schweizer Tourismuskonzept an, ich zupfe nachdenklich an den Elementen des Klimamodells,
das in Form eines riesigen Mobiles eine ganze Ecke des Ausstellungsraumes einnimmt, ich lasse
mit Hebeldruck im Laufe der nächsten 50 Jahre die Schweizer Gletscher verschwinden, ich fühle
mit den Händen auf Metallplatten den Temperaturanstieg, ich beantworte immer wieder Fragen
wie "glauben Sie, dass Sie persönlich einen Einfluss auf das Klima haben?", ich hinterlasse
einen persönlichen Fingerabdruck auf der Klimawaage und schreibe schliesslich auch noch
eine Postkarte an unser Klima: Liebes Klima, ich wünsche dir gute Besserung.

Das Klima der Zukunft wird nicht morgen gemacht, sondern heute. Das Leben kommender
Generationen wird deshalb entscheidend dadurch geprägt, was wir zur Zeit an klimawirksamen
Emissionen ausstossen. Ein Verzögerungsmechanismus mit möglicherweise katastrophalen
Folgen. Denn niemand kann mit Sicherheit sagen, welche Kosten unser heutiges Tun übermorgen
verursachen wird. Klimawandel verschwindet nicht einfach so, wenn wir die Augen schliessen. Im Gegenteil!

Mirjam Renold

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